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Fachkräftebedarf IT

Den Unternehmen gehen die Bewerber aus

Alle Welt redet von Fachkräftemangel, doch die Nachfrage nach ITK-Spezialisten war im Herbst des Jahres wesentlich geringer als zu Jahresbeginn. Entspannt sich die Situation?

Alborz: Nein, von einer Abkühlung können wir keinesfalls sprechen. Im Gegenteil: In der ITK-Branche selbst hat die Nachfrage nach Hard- und Softwarespezialisten im dritten Quartal einen Höchststand erreicht.

Warum?

Alborz: Da ist zum einen die gute konjunkturelle Lage. Wichtiger noch: Dieser Wirtschaftszweig hat eine enorme Bedeutung für Deutschland. Die digitale Transformation richtet sich auf Zukunftsthemen – und hat damit auch Einfluss auf die Zukunft der Unternehmen. Für jeden Arbeitgeber ist es heute ein strategischer Erfolgsfaktor, die richtigen Mitarbeiter zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu haben.

Wissen das die Bewerber?

Alborz: Ohne Zweifel. Wechselwillige Kandidaten haben viel mehr Auswahl, viel mehr Optionen. Entsprechend selbstbewusst treten sie auf und fordern höhere Gehälter. Nun ist das ein normaler Marktmechanismus, denn mit steigender Nachfrage steigt der Preis. In dieser Situation müssen die Unternehmen entscheiden, ob sie zu einem Kompromiss bereit sind – sei es beim Einkommen, sei es bei der Qualifikation.

Wie gehen die Arbeitgeber mit diesem Dilemma um?

Alborz: Sie öffnen sich zunehmend für internationale Experten. Viele Unternehmen, die früher ausschließlich im lokalen Umfeld rekrutiert haben, können den Regionalfokus nicht mehr aufrechterhalten. Sie erkennen, dass sie sich öffnen müssen. Auch wenn das mit mehr Aufwand verbunden ist. Denken Sie an die Reisekosten für ausländische Bewerber, denken Sie an die Mitverantwortung der Arbeitgeber für die Wohnraumbeschaffung, denken Sie an Interviews, die auf Englisch geführt werden müssen. Das fällt nicht jedem Personaler leicht.

Die Rekrutierung über die bisherigen Grenzen hinaus hat aber auch Vorteile.

Alborz: Mitarbeiter aus dem Ausland bringen die Unternehmen sprachlich, kulturell und mitunter auch fachlich weiter. Nur um das klar zu stellen: Hier wird keine Drohkulisse aufgebaut, um die Forderungen der Arbeitnehmer in Schach zu halten. Die Unternehmen schauen tatsächlich nach vorne. Der Fachkräftemangel ist nur Auslöser für den erweiterten Suchradius. Wenn sich die Arbeitgeber aber einmal zur Weitwinkelperspektive durchgerungen haben, wollen sie ihren Blick nicht mehr verengen.

Bei IT-Spezialisten konkurrieren Hard- und Softwarehersteller mit Anwenderunternehmen. Wer hat im Moment den größeren Bedarf?

Alborz: Die größere Fachkräftenachfrage kommt von den ITK-Unternehmen selbst. Der größere Bedarf aber liegt bei den Anwenderunternehmen. Denn die müssen schnellstens auf die Anforderungen des Business reagieren. Fatal ist nur, dass die Unternehmen immer wenige eigene Bewerber haben. Sie setzen deshalb stark auf Kandidatenvorschläge von externen Dienstleistern.

Gerade im Handel haben IT-Fachkräfte sehr gute Chancen. Wissen Sie den Grund?

Alborz: Der Handel verändert sich. Seine Aktivitäten verlagern sich rasant ins Internet. Hier wird das Thema Digitalisierung besonders deutlich. Wenn der Handel nach IT-Fachkräften sucht, will er zumeist eigene Onlineaktivitäten aufbauen. Genau dafür werden IT-Experten gesucht.

Zu den gefragtesten Berufsgruppen gehören Anwendungsentwickler und Netzwerkadministratoren. Wird das so bleiben?

Alborz: Davon gehe ich aus. Netzwerkexperten sind seit Jahren konstante Größen auf dem Stellenmarkt. In den meisten Unternehmen schlägt dort das Herz der IT. Dort wird entschieden, wie schnell, wie stark und wie gesund es in die digitale Zukunft geht. Umgesetzt werden diese Impulse dann von den Anwendungsentwicklern. Sie produzieren, was vom Markt nachgefragt wird. Dabei geht es nicht nur um völlig neue Programme, sondern auch um die Veränderung der Bestehenden. Im Zuge der digitalen Revolution muss vieles angepasst und neu programmiert werden. Wir erleben eine deutlich höhere Dynamik in der Geschäftswelt. Dabei muss die IT nicht nur mitgehen. Sie muss selbst Tempo machen.

Foto: HAYS

ZUR PERSON: Simon Alborz ist für die Vermittlung festangestellter IT-Experten beim internationalen Personaldienstleister verantwortlich. Die Fachschwerpunkte vermittelten IT-Experten liegen primär in den Feldern SAP-Beratung, Software-Entwicklung, Online-Marketing, Web- und Mobile-Technologien und IT-Operations.

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