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Fachkräftebedarf Engineering

Differenzierte Berufsbilder spielen im Digitalzeitalter keine Rolle mehr

Ingenieure sind in der IT-Industrie aktuell sehr nachgefragt. Können die Personaler nicht genügend Informatiker rekrutieren oder verfügen Ingenieure über besonders benötigte Kompetenzen?

Heise: Die Grenzen zwischen Ingenieuren und Informatikern verschwimmen immer stärker. Bei Produktentwicklungen, beispielsweise in der Halbleiterindustrie, sind Programmierkenntnisse in der Regel unabdingbar. Darüber verfügen heute auch Ingenieure mit Studienschwerpunkt IT. Überhaupt spielt die Bezeichnung des Studienabschlusses in der digitalen Revolution keine große Rolle mehr. Es kommt darauf an, was jemand kann.

Auf welche Altersgruppen und Ingenieurs-Fachrichtungen konzentriert sich die Nachfrage?

Heise: Das ist unterschiedlich. Viele Unternehmen bevorzugen junge Ingenieure, weil sie gut in ihre jungen Projektteams passen. Anderswo spielt die Berufserfahrung eine größere Rolle. Im Halbleiterumfeld beispielsweise findet man oft Spezialisten jenseits von vierzig und fünfzig Jahren.

Gibt es Präferenzen bei der Fachrichtung?

Heise: Ingenieure, die mit Automatisierungstechnik oder mechanischer Konstruktion vertraut sind, können sich den Job aussuchen. Hier ist die Nachfrage nach Fachkräften unglaublich hoch. Ebenso im Umfeld der Softwareentwicklung. Aber im Grundsatz gilt für alle Ingenieure: Das war eine gute Berufswahl.

Foto: Hays

Projektleiter sind zwar immer knapp, aber im dritten Quartal legte der Fachkräfte-Index nochmal kräftig zu. Haben Sie dafür eine Erklärung?

Heise: Heute werden weitaus mehr Aufgaben in Form von Projekten erledigt als in der Matrix- oder Linienorganisation. Viele Unternehmen stemmen sechs, sieben oder noch mehr Projekte zur gleichen Zeit – bei sinkenden Projektlaufzeiten. Das erklärt die hohe Nachfrage nach Projektleitern und -leiterinnen: Bei einer Vielzahl von parallel laufenden Vorhaben braucht man natürlich mehr kaufmännische und technische Projektleiter.

Bringt ein Projektingenieur direkt von der Hochschule dazu alles mit, was die Unternehmen brauchen?

Heise: Einen guten Projektmanager kriegen Sie nicht von der Uni. Hier ist Erfahrungswissen gefragt. Mit den Methoden des Projektmanagements werden angehende Ingenieure aber heute schon im Studium vertraut gemacht. Wenn sie ihr theoretisches Wissen danach in Praktika oder on the Job mit Leben füllen, sammelt sich die Erfahrung im Zeitablauf von selbst.

Was lässt sich aus der Tatsache schließen, dass Qualitätsmanager die am zweithäufigsten gesuchte Ingenieursgruppe sind?

Heise: In Deutschland legen wir sehr hohe Messlatten an die Qualität an. Diese Standards gehen noch weiter nach oben, weil die Anforderungen an die Produktqualität in allen Branchen zunehmen. Gleichzeitig wächst die Produktion, auch in Deutschland. Ergo werden mehr Qualitätsmanager nachgefragt.

Und das sind Ingenieure?

Heise: In erster Linie. Aber auch IT-Projekte müssen Qualitätsstandards erfüllen. Dafür braucht die Wirtschaft IT‘ler mit Qualitätsverständnis.

Nach einem Rückgang im zweiten hat sich der Stellenmarkt für Ingenieure im dritten Quartal wieder leicht verbessert. Ist das normal im Verlauf eines Jahres?

Heise: Ungewöhnlich ist es nicht. Denn vor und während der Sommerpause fahren insbesondere die Großunternehmen ihre Recruiting-Aktivitäten herunter. Über den saisonalen Effekt hinaus registrieren wir in diesem Jahr allerdings das Anziehen der Konjunktur.

Foto: HAYS

ZUR PERSON: Als Managing Director verantwortet Alexander Heise bei Hays gleich mehrere Branchen. Er betreut u.a. den Vertrieb für die Märkte Pharma, Healthcare und Maschinenbau für Deutschland und Österreich.

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