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FACHKRÄFTEBEDARF FINANCE

Fach- und Führungskräfte im Finanzsektor können sich heute die Stellen aussuchen

Controller und Buchhalter sind gesucht wie eh und je. Werden Leute, die sich mit Finanzen auskennen, eigentlich immer gebraucht?

Janke: Das kann man so sagen. Die Nachfrage nach Finanzfachleuten ist beständig. Bei Controllern bewegt sie sich stabil auf hohem Niveau, und bei Bilanzbuchhaltern sowie Tax Managern und Risk Managern sehen wir augenblicklich sogar einen deutlichen Anstieg. Allerdings werden die Kunden anspruchsvoller.

Inwiefern?

Janke: Es betrifft das generelle Leistungsspektrum der Kandidaten. Die Klassiker sind fachliches Know-how und Fremdsprachenkenntnisse. Außerdem verlangt die Digitalisierung gerade im Controlling, wo die Fäden des gesamten Unternehmens zusammenlaufen, eine höhere IT-Affinität der Kandidaten.

Dann ist die Personalbeschaffung in diesem Segment wohl kein Selbstgänger?

Janke: Kaum. Aufgrund der guten Konjunktur haben wir einen Kandidatenmarkt. Das bedeutet, dass leistungsstarke und wechselwillige Fachleute schnell mehrere Angebote erhalten.

Nutzen Recruiter ihre persönlichen Kontakte, um frühzeitig Flagge zu setzen?

Janke: Ganz sicher. Viele Unternehmen fordern ihre Mitarbeiter auch auf, ihre Netzwerke in den Dienst des Recruiting zu stellen. Aber selbst das reicht nicht aus. Ohne professionelle Hilfe steht man ziemlich auf verlorenem Posten.

Seit Anfang 2016 gibt es immer mehr Jobangebote für Auditoren. Hängt das mit den strengen Compliance-Vorschriften zusammen?

Janke: Ganz eindeutig. Die Bedeutung der Regelbeachtung ist in den letzten Jahren enorm gestiegen. Die Firmen haben viel in den Aufbau von Compliance-Funktionen und Audits investiert, um die Einhaltung der Richtlinien sicherzustellen.

Wie sieht es aktuell bei den Banken aus?

Janke: Hier ist, ebenso wie in der Chemie und im Maschinenbau, die Nachfrage geringer als zur Jahresmitte. Das lässt sich im Wesentlichen mit der schwierigen Geschäftslage und dem Trend zum Online-Banking erklären sowie auch aufgrund der zinsbedingten Schwäche des Kreditgeschäftes. Im Zuge der Digitalisierung suchen Banken nach modernen Lösungen. Der persönliche Kundenkontakt tritt mehr und mehr hinter dem Online-Banking zurück.

Schauen wir nach vorn. Was haben Unternehmen im kommenden Jahr bei der Besetzung von Positionen im Bereich Finance zu beachten?

Janke: Nach wie vor streben die Bewerber nach größerer Bewegungsfreiheit. Ganz oben steht der Wunsch nach flexiblen Arbeitszeitmodellen und dem Homeoffice. Die Arbeitgeber gehen auch darauf ein. Überall wird an neuen Modellen und an der Optimierung der bereits bestehenden gearbeitet. Die Veränderungen rütteln sogar an den Grundgesetzen der Firma, zum Beispiel an der Präsenskultur. Personalchefs wissen genau: Wer heute keine Rücksicht auf die Wünsche der Mitarbeiter nimmt, hat zunehmend Schwierigkeiten erstklassige Kandidaten von sich zu überzeugen.

Trifft der Wunsch nach mehr Flexibilität nicht auch die Interessen der Unternehmen?

Janke: Es ist immer ein Geben und ein Nehmen. Wie gesagt: Wir haben einen Kandidatenmarkt. Die Unternehmen müssen sich also bewegen. Aber sie wollen sich auch modern aufstellen. Von daher treffen sich die Interessen.

Wie wichtig sind die Karriereaussichten?

Janke: Der Wunsch nach Perspektiven und unterstützter Weiterentwicklung ist deutlich stärker ausgeprägt als 2015. Bei den Jungen steht heute weniger die Karriere  an erster Stelle,  als spannende Projekte und fachliche Herausforderungen. Das sehen wir auch an unserem Nachwuchs im eigenen Haus.

Spielt das Tempo im Besetzungsprozess eine Rolle?

Janke: Mehr denn je. Die Kandidaten wollen rasche Entscheidungen. Zwischen dem Interview und dem Angebot darf nicht zu viel Zeit liegen.

Wie viel Zeit höchstens?

Janke: Bedingt durch die notwendigen administrativen Tätigkeiten können schon mal ein, zwei Wochen ins Land ziehen. Das ist den Kandidaten gefühlt zu lang. Unternehmen, die den Prozess verkürzen, wirken selbstsicher und entscheidungsfreudig. Da spielt die Psychologie hinein. Aus schnellen Entscheidungen folgern die Kandidaten, dass der Arbeitgeber ihren Wert erkannt hat und schätzt. Neben einer guten Firmenpräsentation und einem strukturierten Interview gehören heute Entschlussfreude und ein stringenter Prozess dazu. Die Kandidaten bewerten das positiv.

Foto: HAYS

ZUR PERSON: Andreas Janke ist Bereichsleiter Permanent Recruitment & Executive Search für Finance & Accounting sowie Banking & Financial Services bei Hays

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