Anzeige

Innovation Gewünscht

Wie viel Freiheit, wie viel Sicherheit brauchen Mitarbeiter, um innovativ sein zu können?

Vor unseren Augen verändern Big Data, das Internet der Dinge und die Robotik das Fundament der Wirtschaft. Dabei verheißt die Digitalisierung derzeit sehr Gegensätzliches. Einerseits bieten sich große Chancen der Mitgestaltung dieser neuen Zukunft. Andererseits braucht es organisierte Schutzräume, um den Mitarbeitern Sicherheit in ihren Entscheidungen zu geben.

Wie lässt sich Arbeit vor diesem Hintergrund innovationsfreundlich organisieren? Digital gefragt: Was brauchen, was wollen die Mitarbeiter eher: Freiräume bei der Arbeit oder die Sicherheit, dass das Ausschöpfen dieser Freiräume nicht gegen sie gewendet wird?

Eine Studie von Hays, der ZukunftsAllianz Arbeit & Gesellschaft eV. (ZAAG) und der Gesellschaft für Wissensmanagement eV. (GfWM) mit Unterstützung der TU München legt das Spannungsfeld zwischen Freiheit und Sicherheit offen. Stellvertretend für viele nachdenkliche Führungskräfte beziehen der Manager Harald Schirmer und die Freiberuflerin Angelika  Schwienhorst dazu Stellung. Wessen Position schließen Sie sich an?

Angelika Schwienhorst / Freiberuflerin HR-Beratung Hamburg

„Die Kunden schätzen meine Expertise"

„Als Freiberuflerin bin ich von keinem Unternehmen abhängig. Nur von meinen Kunden, und so paradox es klingen mag: Die schätzen meine Unabhängigkeit. Ich auch, denn so kann ich höchst flexibel agieren. Dazu gehört aber auch, morgens um vier Uhr aufzustehen, um den ersten Flieger nach München zu nehmen und dort vor Geschäftsführern aus Branchen zu sitzen, in denen ich noch nie zuvor tätig war. Freiheit bedeutet für mich auch, immer wieder mit neuen Unternehmen, neuen Menschen und neuen Themen zu tun zu haben. Das wiegt die Sicherheit eines festen Arbeitsplatzes mehr als auf.

Im Rahmen meiner Projekte kann ich  ein Veto einlegen, wenn ich mit einer Personalentscheidung nicht einverstanden bin. Darauf wird gehört, danach wird sogar gefragt.. Auch wenn mein Rat nicht immer befolgt wird, so ist die Durchschlagskraft meiner Ideen und Mitwirkungsleistung doch sehr hoch.

Auch wenn Arbeitgeber häufig behaupten, sie würden flexibel und agil auf die Anforderungen ihrer Mitarbeiter eingehen ( z.B.  durch Vertrauensarbeitszeit oder die Erlaubnis, im Homeoffice zu arbeiten), meine gefühlten Freiheitsgrade sind höher. Denn mit meiner Unabhängigkeit geht auch eine gewisse Unbefangenheit einher. Mir fällt es leichter, schwierige Themen offen anzusprechen oder unbeliebte Meinungen zu äußern, da ich nicht fest in die Unternehmensorganisation eingebunden bin.

Wofür sollte ich mehr Sicherheit brauchen? Meine Sicherheit ist die Gewissheit, dank meiner schnellen Auffassungsgabe, dank Empathie und guter Projektarbeit einen hervorragenden Ruf zu genießen. Weshalb mich die Firmen holen? Weil ich meinen Job gut mache.“

„Irgendjemand muss die Risiken der Freiheit bezahlen“

Harald Schirmer, Manager Digital Transformation and Change Continental AG

„Freiheit ist absolut wichtig – aber Menschen gehen unterschiedlich mit Freiheit um. Nicht nur auf der Seite der Führung erzeugt Demokratisierung Kopfzerbrechen. Auch die Mitarbeiter können es oft nicht glauben, wirklich ernst genommen zu werden. Für viele ist die Änderungsgeschwindigkeit schlichtweg atemberaubend. Gestern war die Nutzung sozialer Medien während der Arbeitszeit verboten – heute wird sie gefordert. Gestern trug die Führungskraft die Verantwortung für das Tun der Mitarbeiter – heute wird von Mitarbeitern verantwortliches Handeln verlangt. Das wird nur funktionieren, wenn es mehr Vertrauen in selbstgesteuertes Verhalten gibt. Und die Risiken muss irgendjemand bezahlen – in Zeit oder Geld.

Hierarchiearme, vertrauensbasierte Netzwerkstrukturen klingt gut. Solange sich alle an die Spielregeln halten. Denn was in der Hierarchie Regeln, Kontrolle und Zielvereinbarungen waren, sind in Netzwerken Prinzipien, eine Vision und gemeinsame Werte. Aus Mitarbeitern, die für Geld arbeiten, müssen Mitunternehmer werden, die sich der Sache selbst wegen beteiligen. Ein Königreich für die Antwort: Warum sollten sie das tun?

Das bestehende Arbeitsweltensystem stabilisiert und verteidigt sich. Die digitale Revolution muss von einer ebenso großen Veränderung in der Einstellung zum Menschen und zur Arbeit begleitet sein. Nur wenn mitunternehmende Mitarbeiter geschätzt und vor den unbeabsichtigten Konsequenzen ihres Tuns geschützt werden, kann sich die Organisation verändern. Das braucht definitiv Unterstützung von Oben.“

Harald Schirmer, Manager Digital Transformation and Change Continental AG
Foto: Harald Schirmer

Die Süddeutsche Zeitung ist weder für den Inhalt der Anzeige noch die darin enthaltenen Verlinkungen noch für ggf. angegebene Produkte verantwortlich.